Otto Piene: Burned Grid: Structure, Energy, Light
Gebranntes Raster: Struktur, Energie, Licht
Die Ausstellung versammelt drei Werkgruppen aus unterschiedlichen Phasen im Œuvre von Otto Piene: frühe Rasterbilder der späten 1950er und 1960er Jahre, Feuerbilder aus den 1970er Jahren sowie keramische Arbeiten, in denen das Raster als plastische Struktur wiederkehrt.
Das Raster steht am Beginn von Otto Pienes künstlerischer Sprache. Ende der 1950er Jahre, als Mitbegründer der ZERO-Bewegung, entwickelte Piene das Raster nicht als starres Ordnungssystem, sondern als offenes Energiefeld. In den frühen Rasterbildern wird Wiederholung zu Vibration: Licht durchdringt die Struktur, Ordnung wird zum Träger von Bewegung und Intensität. Das Raster ist hier weniger Komposition als Matrix – ein Gefüge, durch das immaterielle Phänomene wie Licht, Rhythmus und Atmosphäre in das Bild eintreten.
In den gezeigten Arbeiten kehrt dieses strukturelle Prinzip in veränderter Materialität wieder. Die Keramiken greifen die Logik des Rasters auf und übersetzen sie in Relief, Oberfläche und plastische Präsenz. Was einst gemalt oder perforiert wurde, wird nun geformt und gebrannt. Der Ofen ersetzt die malerische Geste; Hitze wird zum Mitautor. Das Raster ist nicht mehr nur sichtbar, sondern greifbar – es wirft Schatten, speichert Spuren und gewinnt körperliche Dichte.
Diese Wiederkehr ist kein Rückblick, sondern Kontinuität. Pienes Denken bleibt geprägt von der Idee der Struktur als Träger von Energie. In den Feuerbildern der 1970er Jahre radikalisiert sich dieser Ansatz: Die Flamme schreibt sich unmittelbar in die Oberfläche ein, hinterlässt Rauch- und Brandspuren. Die kontrollierte Ordnung des Rasters begegnet der unvorhersehbaren Bewegung des Feuers. Doch auch hier geht es nicht um Darstellung, sondern um Realisierung von Licht und Energie im Material selbst.
Über Jahrzehnte hinweg entfaltet sich so ein konstantes Spannungsverhältnis zwischen System und Element, Ordnung und Verbrennung. Das Raster gibt Orientierung; das Feuer setzt es in Bewegung. In den Keramiken verdichten sich diese Pole zu einer neuen Einheit. Sie verbinden die strukturelle Strenge der frühen Arbeiten mit der elementaren Kraft der späteren Feuerbilder.
Burned Grid macht diesen Zusammenhang sichtbar: das Raster als Ursprung, die Flamme als Aktivierung – und das Licht als verbindendes Prinzip, das Pienes Werk über alle Medien hinweg durchzieht.
