Martin Wickström: Mount Florida – retrospective

Die Galerie Leu präsentiert die erste Ausstellung des renommierten schwedischen Künstlers Martin Wickström in Deutschland.

Wahre Kunst, so Hermann Hesse in seinem Erziehungsroman Narziß und Goldmund (1930), entsteht in der Begegnung von Idee und Praxis. Der Künstler sei Denker und Handwerker in einer Person, erinnerte Hesse. Etwas Ähnliches verkörpert der schwedische Künstler Martin Wickström, der unter anderem für seine detailreichen, farbenfrohen fotorealistischen Malereien und skurrilen Installationen mit Ready-mades bekannt geworden ist, bei denen Dinge aus dem Zusammenhang gehoben und in existenzielle Fragezeichen verwandelt werden.

Wickström lässt sich von den meisten Dingen inspirieren, die ihm ins Auge fallen. Weltnachrichten und Geschichte. Alte Zeitungsausschnitte, wissenschaftliche Erkenntnisse, große Meister und Pop-Kitsch. Die Welt spiegelt sich in seiner Kunst wider. Das schwedische 'Volksheim' und spielende Sonnenkatzen, wenn die langen Finger der Sonne einige Hausfassaden in New York berühren. Reisen, unter anderem nach China, Indien, Japan und Kuba, prägen sein Schaffen. Neu entdeckte Orte wie das Viertel Mount Florida in Glasgow spiegeln sich in neueren Arbeiten wider.

Die Ausstellung umfasst sowohl ältere Werke als auch Gemälde, die erst in jüngster Zeit entstanden sind. Es ist jedoch nicht notwendig, die Chronologie festzulegen, um sich der Kunst von Martin Wickström zu nähern. Er macht, wiederholt, erneuert, kehrt zurück, dreht und verdrehen alte Muster, entdeckt etwas unerprobtes, fügt etwas aus der Vergangenheit hinzu. Nimmt weg und fügt hinzu ... Er malt, zimmert, baut und zieht Drähte. Konzentrierte Aufmerksamkeit auf das „Hier und Jetzt".

Die Werke gleiten mit ihrer eigenen Logik ineinander. Die Farben sind kräftig, die Schnitte mutig, die Formate wechseln. Die lineare Erzählung lockert sich auf. Jedes Werk in der Ausstellung hat seine eigene Geschichte. Hier eine Hommage an den am K2 tragisch ums Leben gekommenen Freund, den Alpinisten Daniel Bidner, und da ein Gruß an den neugeborenen Enkelsohn Errol. Menschen, bekannte und unbekannte, kommen und gehen, wie das Gestern zum Heute wird. Europa taucht in einer Sammlung freischwebender Eindrücke über Zeit und Raum hinweg auf. Persönliche und kollektive Erinnerungen werden miteinander verwoben. Nostalgie und Humor mischen sich.  (Joanna Persman) 

 

Martin Wickström, Jahrgang 1957, studierte an der Gerlesborgsskolan, Stockholm und an der königlichen Akademie der Künste, Stockholm. Er debütierte in den 1980er Jahren und hatte seinen künstlerischen Durchbruch in den 1990er Jahren. Seitdem hatte er eine Reihe bemerkenswerter Ausstellungen in Schweden und im Ausland, und seine Werke sind in den Sammlungen des Moderna Museet in Stockholm, des Göteborg Art Museum, des Malmö Museum und des EMMA, Espoo Museum of Modern Art, Espoo, Finnland, enthalten.